What the Randsportart? Hurling!

Die Pubs sind voll, auf den Straßen pilgern Menschenmassen zum Croke Park in Dublin, und im Fernsehen ist es der Höhepunkt des irischen Sportjahres. Aber es geht nicht um ein wichtiges Fußballspiel und nicht einmal um Rugby: Es geht um die älteste, schnellste und anspruchsvollste Teamsportart der Welt – Hurling.

Jedes Jahr zur gleichen Zeit, am erste Sonntag im September, stehen die Uhren in Irland still. Es ist der Tag des „All Ireland Senior Hurling Final“, der wichtigste Tag im irischen Kalender.

Wenn die ersten Takte der irischen Hymne erklingen, erheben sich 82.000 Besucher. Und feiern das Finale einer Sportart, die außerhalb der irischen Insel kaum jemand kennt.

Hurling – so irisch wie Guinness oder das Kleeblatt

Hurling hat seine Wurzeln bei den Kelten und wird seit rund 3000 Jahren auf der Insel gespielt. Es gehört zur nationalen Identität und ist ein Symbol für die irische Kultur. Das haben auch die Briten während der Zeit der Besatzung Irlands erkannt und neben der irischen Sprache auch Hurling verboten. Hurling war immer auch eine Unabhängigkeits-Demonstration der Iren. Wobei sich ein Datum unauslöschlich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat: der 21. November 1920. Am Morgen dieses Tages töteten IRA-Leute in Dublin 14 britische Spione. Für das Gaelic Football-Team aus Dublin war für den Nachmittag ein Spiel gegen das Team aus Tipperary angesetzt. Mehr als 10.000 Menschen verteilten sich auf den Tribünen des Croke Park. Wenige Minuten nach Spielbeginn flog ein Flugzeug über das Spielfeld, aus dessen Cockpit eine Leuchtrakete abgeschossen wurde. Dann strömten plötzlich britische Soldaten aufs Spielfeld. Sie erschossen Michael Hogan, den Spielführer von Tipperary, sowie 12 Zuschauer. 65 weitere Fans wurden verletzt. Der 21. November 1920 ist als „Bloody Sunday“ in die Geschichte eingegangen.

Dynamisch und anspruchsvoll

Hurling gilt als schnellste und älteste Feldsportart der Welt und ist eine für Kontinentaleuropäer gewöhnungsbedürftige Mischung aus Hockey, Baseball, Fußball und Rugby. Im Kern geht es darum, dass 15 Spieler je Mannschaft versuchen, auf einem Fußballfeld mit einem Schläger den Ball entweder in ein Fußballtor oder in das Rugbytor darüber zu schlagen. Sie dürfen dazu die Hand, den Fuß oder den Eschenholzschläger benutzen, der etwa einen Meter lang und am Ende breit abgeflacht ist.

Ein Tor zählt drei Punkte, ein Schuss über die Querlatte zwischen den verlängerten Pfosten hindurch gibt einen Punkt. Befindet sich der Ball auf dem Boden, muss er mit dem Schläger vom Boden aufgehoben, geschlagen oder mit dem Fuß gespielt werden. Wenn man mit dem Sport nicht vertraut ist, hat man den Eindruck, fast alles ist erlaubt.

Die Spieler jagen den Sliotar, einen kleinen, gut 120 Gramm schweren Lederball, in den strahlend blauen Himmel über Dublin. Weit in der Hälfte der gegnerischen Mannschaft schrauben sich die durchtrainierten Athleten mit der Sprungkraft eines Weltklasse-Hochspringers in einem Knäuel von Spielern in die Höhe.

Mit einer Autorität die seinesgleichen sucht halten die Spieler ihren Eschenholzschläger, den Hurley. Und schwingen ihn über dem Kopf wie ein Krieger, der auf seine Gegner losgeht. Das Stadion bebt. Genau das will man sehen: „The clash of the ash“, das Krachen von Eschenholz auf Eschenholz. Der Ball senkt sich. Helm stößt an Helm. Und es wirkt für Außenstehende oft wie Zufall, wer letztlich den Sliotar gefangen hat.

Vier schnelle Schritte sind erlaubt, der Ball wird dabei balanciert auf dem Hurley, wie beim Eierlauf, bevor er 20, 30 Zentimeter angelupft und mit einer Geschwindigkeit von mehr als 170 Stundenkilometern durch die gegnerischen Torstangen gejagt wird. Punkt. Anstoß. Alles wieder von vorne. 60 Minuten lang Sprint, Sprung, Zweikampf, Sprint, Tackling, Abzug, Tor.

Größter Unterschied zu den üblichen Fernsehsportarten ist die Regelung, dass Hurlingspieler trotz semiprofessionellem Training kein Geld verdienen. „Bei Hurling geht es um Leidenschaft, es geht um Kampf, und es geht vor allen Dingen auch um Loyalität“, erklärt Lanigan. Jeder Spieler spielt sein Leben lang für seinen Heimatverein oder, wenn er besonders gut ist, für das Auswahlteam seines Countys.

„Ich spiele nicht für Geld, sondern für meine Heimat und die Liebe zum Sport“


Brian Hogan, der für Kilkenny siebenmal den All-Ireland Hurling Cup gewann

Irisches Lebensgefühl erleben

Als sich die Spieler am Ende der Partie die Hände schütteln und plaudernd vom Platz gehen, erkennt man die wichtigste Regel der Sportart, die jeder befolgen müsse. Sie ist Voraussetzung für die „dritte Halbzeit“, die im Pub stattfindet, und lautet: Lass alles auf dem Platz. Die ganzen Emotionen und Animositäten müssen nach dem Spiel dem Trikot gleich abgestreift werden.

Es gibt kein Land, in dem Hurling als Breitensport betrieben wird, und damit auch international keine adäquaten Gegner – und dadurch auch keine Nationalmannschaften. Hurling ist Irland, Irland ist Hurling. Und Irland heißt jeden herzlich willkommen, der sich zum ersten mal ein Hurling Spiel ansieht.

Vielleicht sollte man aber bevor man zum ersten mal im Stadion ist einen der umliegenden Pubs aufsuchen. Und sich bei einem Pint Guiness die Regeln erklären lassen. Um dann Teil eines ganz besonderen Sports zu werden.

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