Ocean’s Twelve trifft Formel 1 – Der 150.000€ Diamant als PR Stunt

Monaco 2004 – Als dank Hollywood die Grenze zwischen Realität & Kino verschwamm.

Woran denkt man beim „Großen Preis von Monte Carlo“ unweigerlich? Vermutlich an Reichtum, Glamour & viel Protz. Seit jeher gibt sich das Who-is-who der Weltgeschichte beim jährlichen Formel 1 Rennen im Fürstentum Monaco an der Côte d’Azur die Ehre. Viel Händeschütteln, noch mehr Kameras und sündhaft teure Designer-Schmuckstücke im Überfluss.

Das war vor 50 Jahren schon so, das wird vermutlich (sollte die Formel E nicht plötzlich einen großen Sprung in der Beliebtheit der Menschen erleben) auch in 50 Jahren so sein. Dort, wo viele reiche Leute sind, wird es viel Schmuck & Bling Bling geben. Warum also ist der Grand Prix von Monte Carlo von 2004 so etwas ganz besonderes?

Der Diamant auf einem der beiden Rennwägen

Nun. Um die ganze Geschichte hinter einem verloren gegangenen Diamanten & dem glamourösesten Formel 1 Rennen der Saison zu verstehen, müssen wir einen Blick auf das Jahr zurückwerfen, in dem dieses Event stattfand.
2004. Michael Schumacher ist auf dem besten Weg, zum fünften Mal in Folge & zum siebten mal insgesamt Weltmeister zu werden. Fünf Rennen sind in der aktiven Saison bereits gefahren & alle fünf gewann der Deutsche in seinem ikonischen Ferrari. Die Zwillingsroboter „Opportunity“ und „Spirit“ landen auf dem Mars und beginnen, diesen zu erkunden. Und in den Kinos der Welt läuft bald Ocean’s Twelve an.

Und genau dieser Film ist der Grundstein für eine der absurdesten Geschichten der Formel 1.
Normalerweise befindet sich nicht einfach so ein 150.000€ teurer Diamant auf einem Formel 1 Wagen. Monatelang werden in Windkanälen auf der ganzen Welt kleinste Millimeter verändert, um ideale Bedingungen bei Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h zu gewährleisten. Kleinste Veränderungen beeinflussen Anpressdruck, Fahrverhalten und vieles mehr eines Rennwagens.
Warum also sollte man hier plötzlich einen Edelstein ins Chassis einbauen? Der Grund, natürlich: Geld. Cash. Und Promotion für einen Kinofilm der Top Riege Hollywoods. Wieso man jedoch einen Film mit einem Diamanten bewirbt, dessen Hauptstory der Diebstahl eines Faberge-Ei ist, kann niemand so genau erklären.

Aber egal. Wem das schon unlogisch erscheint, hier kommt der Rest der Geschichte:
Das Marketingteam von Ocean’s Twelve reist also zum prestigeträchtigsten Formel 1 Rennen der Saison. Als Marketingpartner schnappt man sich das Team von Jaguar Racing und befestigt auf jedem der beiden Rennwägen einen Diamanten im Wert von ca 150.000€ – eine Leihgabe der israelischen Edelsteinfirma Steinmetz, die (welch Wunder) niemanden finden konnte, der diesen Auftrag versichern wollte, vermutlich weil jeder mögliche Versicherungsmakler, der die Idee hörte, an einen Scherzanruf glaubte und auflegte.

Nochmal in der Zusammenfassung: Wir haben also zwei Formel-1-Rennwagen, die auf der anspruchsvollsten Strecke des gesamten Saisonkalenders unterwegs sind, dreistellige Geschwindigkeiten erreichen während sie durch die Häuserschluchten Monacos fahren & sich Kopf an Kopf Duelle mit anderen Fahrzeugen liefern. Und all das mit 150.000€ teuren Diamanten auf dem Teil des Autos, welcher als erstes kaputt gehen wird, wenn das Auto frontal gegen eine der, die Strecke umschließenden, Metall-Banden prallt. Noch dazu mit Diamanten, welche nicht versichert sind, da keine Firma sich bereit erklärte, diesen PR Stunt zu unterstützen.

Nun. Was soll da schon schiefgehen? …

Christian Klien’s Jaguar nach seinem Unfall

Es passierte bereits in der ersten Runde. Jaguar-Pilot Christian Klien crashte mit seinem diamantbesetzten Boliden in der „Loews“ Kurve in die Mauer, bevor er jemals eine komplette Rennrunde beendete, und sorgte so nebenbei für einen kleinen Goldrausch-Moment im Bereich rund um den Crash, als begeisterte Zuschauer nach dem Diamanten suchten.
All die erhofften PR Fotos, die Momentaufnahmen während des Boxenstopps, wenn dieser kleine Diamant aufblitzt während 10 Menschen alles daran setzen, einen Satz Reifen in unter 4 Sekunden zu wechseln. Die Fotos im Ziel mit den Schauspielern des Films. All das blieb, zumindest für einen Wagen, ein Traum.

Aber es kommt noch ein Stück besser: Die Sicherheitsvorschriften für die Rennstrecke hinderten das Team Jaguar daran, den Diamanten vor dem Ende des Rennens zwei Stunden später zu suchen.
Um zu klären, was alle während dieser zwei Stunden dachten, hier ist ein Zitat von Jaguar-Teamsprecher Nav Sidhu über den Unfall: „An diesem Punkt hätte ich mir wahrscheinlich Sorgen um das Auto oder den Fahrer machen sollen. Aber, das muss ich zugeben, mein Erster Gedanke war der Diamant.“

Und als wären wir in einem eigenen „Ocean’s“-Film, bei dem am Ende die Diebe die lachenden Sieger sind, bleibt als Endpunkt der Story, ob wahr oder falsch, nur die offizielle Version der PR Agentur: Als die Jaguar-Leute auftauchten, war der Diamant nicht mehr auffindbar. Und die Gazetten schrieben sich die Finger mit kostenloser Promo für den anstehenden Kinofilm wund.

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