Damals im TV – Truck Racing

Jeder, der schon einmal auf deutschen Autobahnen gefahren ist, weiß, wie einschüchternd ein LKW sein kann. Sie brüllen und krachen entlang des Seitenstreifens, die Motorbremse knallt und knurrt, und in ihrem Windschatten kommen die winzig wirkenden Autos ins Wanken und sorgen für wildes Gegenlenken am Lenkrad. Es sind kraftvolle und manchmal ehrfurchtgebietende Maschinen, die man in Bewegung erlebt.

In Europa und anderen Teilen der Welt sind die Könige der Straße schon vor langem aber auch zu den Königen der Rennstrecke geworden. Truck-Racing – Denken Sie an den LKW, der eine Anhängerladung voll mit Stahlrohren liefert. Und stellen Sie sich diesen LKW vor, wie er mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde um die Rennstrecken Europas donnert. Eine modifizierte Rennmaschine, vom technischen Aufwand ähnlich den heutigen Spitzenmaschinen von NASCAR und der Formel 1.

Die FIA definiert Super-Truck-Rennen als „kontaktlose“ Sportart, was unmöglich ist, wenn Semi-Trucks mit einer Breite von mehr als 2,4 Metern versuchen, auf Strecken für viel kleinere Sportwagen um die Wette zu fahren.

All die angsteinflößenden Eigenschaften, aber auch ihre vertraute und alltägliche Präsenz, machen sie als Rennfahrzeug attraktiv.

Europäische Supertrucks fahren unter dem Dach der FIA (Federation Internationale de l’Automobile), der französischen Behörde, die auch die Formel-1-Serie überwacht. Die FIA schreibt strenge Vorschriften vor, darunter auch, dass die Supertrucks den Großteil der Ausrüstung für den täglichen Transport behalten, einschließlich eines Standard-Dieselmotors. Aber die Trucks dürfen diese Motoren optimieren und abstimmen, um so letztlich im Takt eines ganz anderen und insgesamt schnelleren Schlagzeugers zu tanzen.

Als der Sport in den 1980er Jahren seinen Anfang nahm, bedeutete die Aufwertung der Motoren eines: Turbolader hinzuzufügen – je größer, desto besser. Mittlerweile, nachdem auch der Motorsport sich ständig wandelt und neue Technologien & Software die rohe Gewalt durch ausgetüftelte Finesse ersetzt, sind die Race-Trucks auf einen 12-Liter-Dieselmotor beschränkt, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Mit leistungsstarken Dieselmotoren und leistungsgesteigerten Getrieben, die als wildes Duo miteinander verbunden sind, müssen Rennfahrer auf das enorme Gewicht ihrer Maschinen achten und wissen, wie gefährlich diese Kombination sein kann. Es gibt keine Drehzahlbegrenzung, aber die Geschwindigkeitsdrosselung auf maximal 160 km/h ist aufgrund der kinetischen Energie, die von einem 5.500 Kilogramm schweren Lkw bei Höchstgeschwindigkeit erzeugt wird, das mindeste was für die Fahrer-Sicherheit getan werden kann.

Für den Rest sorgt die Ausstattung der Wägen. Die Fahrer sitzen in einem Stahl-Überrollkäfig, mit Renngurten versehen, Brandschutzsysteme im Stand-by, die Aufhängungssysteme des Lkw werden abgesenkt und im Fahrbetrieb begrenzt und die Stabilität wird an den meisten Stellen durch Traktionskontrollsysteme gesteuert, da spezielle Rennreifen benötigt werden. Wassergekühlte Scheibenbremsen gehören ebenfalls zum Programm.

Während Überschläge eine Seltenheit sind, etwa 1 oder 2 pro Saison, kommt es so gut wie in jedem Rennen zu mehreren Kontakten mit dem Kiesbett durch seitliche Drifts oder Spinouts.

Die Faszination an den „Elefantenrennen“ sorgte zu seinen Hochzeiten, welche mittlerweile aber auch schon 15-20 Jahre zurück liegen, für atemberaubende Kulissen. Nicht selten wurde sogar der Branchenprimus, die Formel 1, ausgestochen in Sachen Zuschauerzahlen.

Die meisten Menschen hier und in Europa könnten sich mit den Lastwagen identifizieren, sie sahen sie jeden Tag, während die Formel-1-Autos eher wie Raumschiffe waren

Mike Ryan, ehemaliger Super Truck Fahrer

Wie die LKW kommen auch die Fahrer zumeist direkt aus der Welt des Straßengüterverkehrs – Durchschnittliche Jungs mit nicht so durchschnittlichen Träumen, die sich in einer Sportart einen Namen machen wollen, welche zu Ihrer Glanzzeit mehr als 200.000 jubelnde Fans zu jedem Rennen anzog. Und auch wenn mittlerweile kaum ein Fernsehsender die Rennen im Free TV ausstrahlt – auf den Rängen ist es immer noch voll. Truck Racing wurde groß als Rennserie des „kleinen Mannes“, des Fernkraftfahrers & Motorfreaks. Und ist mittlerweile ein Teil deutscher Motorsportgeschichte.

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