Damals im TV – SlamBall

Zugegeben, SlamBall lief nicht im TV. Aber dafür auf sämtlichen Computern vor 15 Jahren.

Die Anfangszeit von Youtube war gleichzeitig die Hochzeit von SlamBall. Das Rezept für diesen „Sport“ war einfach: Man nehme die Schnelligkeit und Kreativität des Basketballs, füge die Aggressivität vom American Football hinzu und würze das Ganze mit der Action eines Videospiels. Das fertige Gericht heißt „SlamBall“ und war beziehungsweise ist eine spektakuläre Mannschaftssportart.

Die Randsportart wird auf einem stoßdämpfenden Parkett gespielt, das in der Größe einem Basketballfeld entspricht und von einer zwei Meter hohen Plexiglaswand umgeben ist. Die Trampoline sind unter jedem Basketballkorb in den Boden eingelassen. In diesen „Slamzones“ katapultieren sich die talentiertesten Spieler bis zu fünf Meter in die Höhe und zeigen dabei oft kreative Choreographien.

Jammern verboten

Ein Dunk zählt drei Punkte, während es für einen geworfenen Korb zwei Zähler gibt. Jedes Team besteht aus vier Feldspielern, die wie beim Eishockey fliegend wechseln. „Stopper“ hindern die heranfliegenden Angreifer am Punkten, indem sie mit ihnen kollidieren. Auch am Boden sind Zusammenstöße erwünscht. Zu ihrer Sicherheit tragen die Athleten daher Helme, gepolsterte Unterwäsche und Knie- und Ellbogenschützer. Das besondere ist definitiv der Kampf um Punkte über den Trampolinen. Es gibt wohl keinen anderen Sport weltweit, bei dem man freifliegenden Körperkontakt fünf Meter über dem Boden hat.

Anfänge eines Hypes

Entworfen wurde SlamBall im Jahre 2001 mit einer ersten Skizze auf einer Serviette. Der amerikanische Gründer Mason Gordon arbeitete zu dem Zeitpunkt bei Tollins/Robbins, einer Filmproduktionsfirma in Los Angeles, und erzählte seinem Chef Mike Tollin von seiner Idee. Zusammen bauten die beiden den ersten Platz in einer Lagerhalle in East L.A.

Innerhalb eines Jahres meldeten sich über 400 interessierte Spieler und 2002 debütierte der Sport mit acht Mannschaften.

SlamBall wurde schnell populär mit seiner atemberaubenden Akrobatik, ähnlich der NBA Jam Videospiel-Franchise, die ähnlich unmögliche Physik in Kombination mit Basketball bietet.
Bis zu 2,3 Millionen US-Amerikaner sahen den Auftakt der zweiten SlamBall Staffel im amerikanischen Free TV.
Während Gordon und Tollin Potenzial für eine Profi-Liga sahen, wollte Warner Bros. Television aus dem Sport jedoch eine inszenierte, wrestlingähnliche Show machen. Diese Differenzen schienen unüberbrückbar und SlamBall verschwand nach nur zwei Jahren wieder aus den Fernsehprogrammen.

2008 – Krachende Rückkehr

Im Jahr 2008 kam SlamBall mit großem Erfolg zurück, sie gründeten eine Liga mit mehreren Teams und holten sogar namhafte Trainer wie Ken Carter, auf dessen Story der Film „Coach Carter“ basiert. Nicht nur das: Ken Carter coachte sein Team 2008 sogar zur Meisterschaft.

Und während der Markt im heimischen Staate scheinbar kein all zu großes Herz für SlamBall hatte, beschloss Gordon, ins Ausland zu gehen, um seinen Sport auf der ganzen Welt zu verbreiten. SlamBall ging nach Italien. SlamBall ging nach China. Und Slamball ging nach Australien. Namhafte Fernsehanstalten auf der ganzen Welt sicherten sich Rechte für SlamBall Übertragungen, darunter Mediaset in Italien, CCTV in China, One HD in Australien oder auch Cuatro in Spanien.

Aber woran liegt es, dass SlamBall nicht aus der Nische kommt?

SlamBall hatte noch nie einen echten „Superstar“, sie ließen die Spieler kommen und gehen. Um die Leute zum Zuschauen zu bringen, braucht man jedoch Superstars, wie andere Sportarten wie zum Beispiel Basketball aufzeigen. Ein Sport ohne Superstar ist ein sehr schwer zu vermarktender Sport, da er auch für Sponsoren gänzlich uninteressant wird.

Im Jahr 2018 ist SlamBall ein globaler Sport und veranstaltet immer noch Turniere weltweit, aber bekommt noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Bei all den neuen Streaming-Diensten und Vermarktungsmöglichkeiten sollte es ein leichtes sein, den Sport als Realversion des Spieleklassikers „NBA Jam“ zu vermarkten.

Die letzten 10 Jahre Stillstand deuten aber eher darauf hin, dass SlamBall nie mehr sein wird, als der Hype der Youtube Videos vergangener Tage. Schade eigentlich.

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